U: Du konntest im letzten Jahr als erste LKZ-Athletin eine Medaille an internationalen Meisterschaften ergattern. Wenn du mit ein wenig Distanz zurückschaust. Welches sind die bleibenden Eindrücke? Was nimmst du mit von dieser Junioren EM?

geri bronze G: Für mich war die Junioren-EM in Bydgoszcz, nach der U18-EM in Eskilstuna bereits die zweite internationale Meisterschaft bei den Junioren. Was ich an solchen Anlässen immer wieder speziell finde ist, dass die Gegnerinnen, welche ich bei Meetings in der Schweiz habe, plötzlich zu Teamkameradinnen werden und man sich gegenseitig an den Leistungen der anderen erfreut. Speziell in diesem Jahr war sicherlich, dass wir mit unserer 4x100m-Staffel in einer gewissen Favoritenrolle waren und dementsprechend von uns auch etwas erwartet wurde. Zusätzlich startete ich in Bydgoszcz auch zum ersten Mal in einer Einzeldisziplin. Beim Einzelstart wurden mir dann auch gewisse Grenzen aufgezeigt. Ich war extrem nervös und fast schon ein wenig überfordert. Im Nachhinein war dies vielleicht gar nicht so schlecht, hat mich doch dieses Erlebnis für die Staffel ein wenig auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt. Nachdem wir uns mit der besten Zeit für den Final qualifizierten und dort Bronze holten, war unmittelbar nach dem Lauf schon eine kleine Enttäuschung vorhanden. Mit ein wenig Abstand waren wird jedoch über diese Medaille super happy, wissen wir doch alle, dass in der Staffel extrem viel zusammenpassen muss und auch entsprechend viel schief gehen  kann.

 

 U: Auf diese Saison hin, hat sich bei dir privat vieles verändert. Kannst du uns etwas dazu erzählen:

 G: Ich habe letzten Herbst mein Pharmazie-Studium an der ETH begonnen, welches mich geistig fordert. Wir haben an der ETH relativ viele Vorlesungen und Übungsstunden, so dass meine Woche ziemlich ausgebucht ist. Es hat eine Zeit gebraucht bis, sich das Ganze ein wenig eingespielt hat und ich die Woche möglichst effizient planen konnte. Im ersten Studienjahr finden sämtliche Prüfungen im kommenden August statt. Ich muss dann in diesem Monat den Fokus vor allem auf das Studium richten.

 

U: Wie gut kannst du aktuell Studium und Sport unter einen Hut bringen? Wie klappt das Zeitmanagement?

 G: Wie bereits erwähnt hat sich das inzwischen gut eingependelt. Dank meinem Trainer Lucio Di Tizio bin ich auch bezüglich Trainingsort und Trainingszeit relativ flexibel. Manchmal trainiere ich im Letzigrund, manchmal auf der Herti Allmend. Je nach dem was gerade besser in meinen Zeitplan passt.

 

U: Kommen wir zum Training: Wie sieht deine Trainingswoche so aus?

 G: Im Vergleich zu letzter Saison trainiere ich nicht unbedingt mehr. Ungefähr absolviere ich so um die fünf Trainings pro Woche. Bis jetzt hat es sich ungefähr so eingespielt, dass ich montags in Zürich trainiere, dienstags und freitags ein Krafttraining absolviere und am Donnerstag ein selbständiges Training mache. Am Samstag möchte ich wieder vermehrt im Kreise des LKZ auf der Herti-Allmend trainieren.

 

U: Im Vergleich zum letzten Winter, was hast du trainingstechnisch verändert?

 G: Ich denke, dass ich noch mehr den Fokus auf die Technik lege mit dem Ziel einen flüssigeren Schritt zu entwickeln und mehr aus den Füssen zu arbeiten. Zusätzlich arbeiten wir intensiver im Kraftbereich, in welchem ich immer noch Luft nach oben habe.

 

U: Deine Hallensaison war ein regelrechter Steigerungslauf. Wie ist dir das gelungen?

 G: Ich hatte bereits von Beginn weg ein gutes Gefühl und konnte in jedem Rennen dazulernen. Besonders in der fliegenden Phase habe ich einen immer besseren Mix zwischen Explosivität, Anspannung und Lockerheit gefunden.

 

U: Was bedeutet Dir die erste Medaille bei den Aktiven?

 G: Ich muss schon sagen, dass ich diese Medaille ganz und gar nicht erwartet habe. Es war schon speziell, dass ich mein erstes Podium bei den Aktiven über die Hürden geholt habe. Dies  motiviert mich natürlich extrem die Hürden vermehrt zu verfolgen. Wer weiss, was vielleicht mit mehr Hürdentraining drin liegt?

 

U: Wirst du nun vermehrt Hürden laufen?

 G: Ich werde die Hürden sicherlich wieder mehr ins Training einbauen. Ich schätze bei den Hürden sehr, dass meine Erwartungshaltung tiefer ist und ich somit weniger verbissen zu Werke gehe. Die Hürden können für mich auch dann Sinn machen, wenn ich beispielsweise einen vollen Kopf vom Studium habe und Abwechslung suche.

 

U: Wie sieht deine Planung für die Freiluftsaison aus?

 G: Grundsätzlich plane ich die erste Saisonhälfte ganz normal mit den üblichen Meetings. Da ich neu im Staffelprojekt der Frauen involviert bin, ergibt sich für mich vielleicht auch das eine oder andere Mal, dass ich bei den ganz Grossen mitlaufen darf. Da ich im August meine Prüfungen schreiben werde, kann ich in diesem Monat wahrscheinlich weniger an Wettkämpfen teilnehmen. Von den Disziplinen her, werde ich vor allem auf 100m du 100m Hürden setzen und vielleicht spontan, resp. aus dem Training heraus auch mal 200m laufen. Über Ostern werde ich mit meinem Freund nach Rom in ein Trainingslager fahren. Sehr gerne wäre ich auch ins Frühlingstrainingslager des LKZ gekommen. Aus terminlichen Gründen findet dies für mich jedoch eine Woche zu früh statt.

 

U: Du hast das Staffelprojekt der Frauen erwähnt. Kannst du uns mehr dazu erzählen?

 G: Ich bin neu im Staffelprojekt der Frauen. Dieses wird geleitet von Raphael Monachon, welchen ich bereits aus Junioren-Zeiten her kenne. Es wird unterschieden zwischen einem A-Kader und einem B-Kader. Ich bin im A-Kader. Im B-Kader sind vor allem Sprinterinnen aus der U23-Kategorie, welche so an die Staffel herangeführt werden sollen. Wir hatten einen Teambuilding-Event in Sonceboz in der Nähe von Magglingen. Am Morgen hatten wir eine Teamsitzung, am Nachmittag durften wir bei Ragusa selber Schokolade herstellen. Die Ziele des Staffelprojektes sind die Europameisterschaften und in zwei Jahren die olympischen Spiele. Ich freue mich darauf mit den Frauen der Aktiv-Kategorie Staffel laufen zu dürfen.

 

U: Nochmals herzliche Gratulation zu deiner Hallensaison. Abschliessende Frage: Wirst du am Quer durch Zug am Start sein:

 G: Natürlich werde ich am Start sein. Ich freue mich bereits jetzt darauf mit meinen LKZ-Kolleginnen durch die Zuger-Altstadt zu sprinten.

 

 geri medaille