susanne rüeggerWie versprochen liefern wir euch noch mehr Hintergrundinfos zum Berlin Marthon, an welchem Susanne Rüegger sensationell die EM-Limite für die Europameisterschaft 2018 unterboten hat. Untenstehend erzählt sie euch wie sie den Wettkampf erlebt hat.

Bericht von Susanne Rüegger:

Ein turbulentes und ereignisreiches Wochenende liegt hinter mir. Es gäbe viel zu berichten. Ich versuche nun in Kürze, die für euch möglicherweise interessanten Eindrücke hervorzuheben.

 

Vorbereitung ist das A und O. Und im Detail liegt die Herausforderung. Reicht das Handgepäck für den Reiskocher zur Verpflegungszubereitung, für den Läufer greifbare Wasserflaschen, Sicherheitsnadeln zur Startnummernbefestigung, Ersatzlinsen, Wettkampf-Tenue für alle (nicht-)vorhersehbaren Wetterverhältnisse, Compression Boots, etc.? Mit zusätzlich angemeldetem Gepäck trat ich am Samstagmittag den Flug nach Berlin Tegel an. Nach dem Einchecken im Athletenhotel, kurzem Beine vertreten und in Erinnerung bleibender Shuttle Fahrt im Organisatoren-BMW zurück ins Hotel, galt es, die Füße von nun an still zu halten und auf den nächsten Morgen zu warten…das wohl schwierigste Unterfangen für Marathonläufer. Ein Glück demnach, dass bereits um 5Uhr der Wecker klingelte und mich aus einem widererwarten guten Schlaf in den Wettkampftag begrüßte.

susanne rüegger berlinNach dem gemeinsamen Frühstück mit der Marathon-Weltelite ging es dann zügig voran. Startnummern- und Chipkontrolle, Akkreditierung und ID für mögliche Dopingkontrollen einpacken, letzter wichtiger Toilettengang und schon fuhr der Athletenbus direkt an die Startlinie. Glücklicherweise durften wir Athletinnen und Athleten aus dem ersten Startblock uns in Zelten einfinden, denn der einsetzende Regen sollte unser steter Begleiter werden. Von nun an galt es, sich aufzuwärmen, warm und trocken zu halten und die Nervosität nicht ins Unermessliche wachsen zu lassen. Das alles ohne viel Energie zu verlieren, bis wir pünktlich um 9.15Uhr auf die Strecke geschickt wurden. Eine 42.195km-lange Zuschauer- und Musikgruppen-Gasse lag vor mir. Vorbei an unzähligen Denkmalen, architektonischen Höchstleistungen und weiteren Sehenswürdigkeiten führte die Laufstrecke – davon mitbekommen habe ich jedoch nicht viel. In der Manier der vor Wochenfrist absolvierten Hauptprobe am Greifenseelauf absolvierte ich die erste Streckenhälfte (1:18:37). Doch schwierige Zeiten standen vor allem nach rund 30km bevor. Krampfhaft suchte ich nach der Lockerheit und dem leichtfüßigen Schritt. Mein Empfinden deckte sich allem Anschein nach mit dem äußeren Erscheinungsbild und leider auch mit der steigenden Kilometer-Durchschnittszeit. Der Körper rebellierte, Füße und Sehnen schmerzten, Arme wurden tonnenschwer, doch nach 37km war Stehenbleiben definitiv keine Option mehr. Ein zweifelnder Blick auf die Stoppuhr verriet: könnte reichen – dann aber Gas geben!  Nicht dass ihr denkt, mein Laufstil hätte sich nochmals geändert, aber gefühlt wurde ich zur Sprinterin. Das Ziel schon lange vor Augen, angetrieben von lauten Rhythmen und tosenden Zuschauern, unter dem Brandenburger Tor hindurch, folgten die bisher längsten rund 200m bis zur Ziellinie. Geschafft! Nicht nur all die Strapazen ausgehalten, sondern auch die Limite für die an demselben Ort stattfindenden Europameisterschaften vom 6. – 12. August 2018 unterboten.

Ob es anstrengend war? Auf jeden Fall.

Ob ich erfolgreich war? JA!!

Mein Fazit: Nicht nur im Alphabet kommt Anstrengung vor Erfolg.

Ein großes Dankeschön den Supporten vom LK Zug.